Biodiesel zerstört Straßenbelag

Biodiesel und herkömmliche Kraftstoffe mit einer Beimischung aus Ölen, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden, haben ein zwiespältiges Image. Auf der eine Seite gelten sie als umweltfreundlich und klimaschonend, weil sie bei ihrer Verbrennung nur soviel Kohlendioxid freisetzen, wie sie zunächst beim Wachsen aufgenommen haben. Auf der anderen Seite stehen sie in dem Ruf, umweltfeindlich zu sein, weil für ihre Produktion Flächen zur Nahrungsgewinnung und sogar Regenwälder herangezogen werden. Jetzt hat ein Unfall eine weitere Eigenschaft des Biodiesels offenbart, die nicht dazu angetan ist, sein Image zu verbessern.

An einem Unfall auf der Autobahn 4 zwischen dem Kirchheimer Dreieck und Bad Hersfeld war ein Lastkraftwagen beteiligt. Das mit Diesel betriebene Fahrzeug verlor bei dem Unfall 800 Liter seines Kraftstoffes, ein bei Lkw-Unfällen nicht seltener Vorgang.

Das Austreten von Dieselkraftstoff stellt für die Rettungs- und Reinigungskräfte im Normalfall daher auch kein ungewöhnliches oder unlösbares Problem dar. Der Dieselkraftstoff lässt sich mithilfe von Ölbindemitteln fixieren und dann von der Straße fegen, sodass am Asphalt durch den Kraftstoff keine Schädigungen auftreten. Bei dem auf der A4 ausgetretenen Dieselkraftstoff handelte es sich jedoch nicht um konventionellen Diesel aus der Erdölraffination, sondern um Biodiesel.

Biodiesel reagiert auf den Asphaltbelag der Straßen aggressiv. Die Flüssigkeit zersetzt die Oberfläche des Asphalts in kurzer Zeit. Das führt dazu, dass der Fahrbahnbelag aufweicht und rutschig wird. Außerdem dringt der Biodiesel in kleine Fugen, Risse oder Spalten ein, vergrößert diese und trägt so nachhaltig zu einer Zerstörung der Oberfläche bei. Aus diesem Grund war das einfache Aufnehmen des ausgelaufenen Kraftstoffes mit Ölbindemitteln nicht ausreichend. Die Schädigung des Asphalts auf der A4 macht Reparaturarbeiten notwendig, die den Verkehrsfluss längere Zeit stören und mit hohem pekuniärem Aufwand verbunden sind.

Am Kirchheime Dreieck werden jetzt auf eine Strecke von 300 Metern Fräsarbeiten vorgenommen. Inwieweit diese oberflächennahen Maßnahmen ausreichen werden, um das Zerstörungswerk des Biodiesels zu beseitigen, ist allerdings noch unklar und soll noch durch ein Gutachten geklärt werden. Falls bereits ein tieferes Eindringen des Biodiesels erfolgt ist, lassen sich weitergehende Instandsetzungsmaßnahmen auf dem Autobahnstück nicht ausschließen.

Die Aggressivität von biologischen Kraftstoffen zeigt sich selbst im E10-Kraftstoff, der im Vergleich zum Biodiesel nur einen geringen Anteil an veresterten Bioölbestandteilen enthält. Der Kraftstoff, dessen Umweltwirkung kontrovers eingestuft wird, ist in der Lage, Gummidichtungen und Kunststoffteile zu beschädigen. Dass der Biokraftstoff in der Lage ist, auch bei Unfällen zu weitaus größeren Schäden zu führen als konventioneller Kraftstoff, dürfte Wasser auf die Mühlen seiner Gegner sein und die Skepsis gegenüber diesen Treibstoffen weiter verstärken.

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